Teaching
SS 2026 Wie oft denkst Du an den Fall der römischen Republik?
Die politische Philosophie des Republikanismus gehört zu den ältesten und einflussreichsten Traditionen unseres westlichen politischen Denkens. Neben dem Liberalismus bildet sie eine der Hauptströmungen der zeitgenössischen politischen Philosophie. Dieses Seminar widmet sich den philosophischen und ideengeschichtlichen Grundlagen des Republikanismus sowie seiner historischen Praxis – von der Antike bis zu aktuellen Debatten in Europa und Nordamerika. Im ersten Teil des Seminars beschäftigen wir uns mit den politischen und historischen Ursprüngen des Republikanismus. Dabei blicken wir auf das antike Rom, die italienischen Stadtstaaten sowie die Gründungsgeschichte der USA. Der zweite Teil ist den philosophischen Grundlagen des Republikanismus gewidmet. Hier lernen wir zentrale zeitgenössische Strömungen kennen und setzen uns mit den Arbeiten von Quentin Skinner und Philip Pettit auseinander, die das Konzept der Freiheit als Nicht-Beherrschung in den Mittelpunkt rücken. Ergänzend dazu betrachten wir auch die Beiträge von Hannah Arendt, J. G. A. Pocock und John P. McCormick. Im dritten Teil schließlich schlagen wir eine Brücke zur politischen Gegenwart. Wir diskutieren, wie das analytische und normative Vokabular des Republikanismus dazu beitragen kann, die aktuelle politische Situation zu analysieren und Lösungsansätze für die Überwindung der gegenwärtigen Krise der Demokratie zu entwickeln.
SS 2025 Die Macht der Feder: Methoden der Politischen Ideengeschichte
"The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong are more powerful than is commonly understood. Indeed, the world is ruled by little else.” (John Maynard Keynes) Das Seminar beschäftigt sich mit der politischen Ideengeschichte und untersucht, mit welchen methodologischen Herangehensweisen sich dieses Fach seinem Gegenstand annähert. Im ersten Teil wird reflektiert, welche Rolle die politische Ideengeschichte innerhalb der Politikwissenschaften spielt, wie sie sich zu anderen Disziplinen verhält und welchen Wert sie innerhalb der zeitgenössischen Theorieproduktion zukommt. Der zweite Teil des Seminars widmet sich den verschiedenen Themen und Methoden der normativen und empirischen Erkenntnisproduktion innerhalb der politischen Ideengeschichte. Dabei wollen wir u.a. folgende Fragen beantworten: Welche zentralen methodologischen Ansätze lassen sich in der politischen Ideengeschichte identifizieren? Wie unterscheiden sich diese Ansätze? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Durch die direkte Auseinandersetzung mit exemplarischen Texten der politischen Ideengeschichte, sollen im dritten Teil des Seminars die erlernten Methoden tentativ angewendet und erprobt werden.
WS 2024 Ein Nachruf auf die liberale Demokratie? Postliberale
Demokratietheorien
In der gegenwärtigen politischen Debatte wird der Liberalismus zunehmend für die tiefgreifenden Krisen unserer Zeit mitverantwortlich gemacht. Manche sprechen gar von seinem Scheitern (Deneen 2016). In den „Ruinen“ des Liberalismus formiert sich seit einigen Jahren eine postliberale Strömung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den als schädlich empfundenen Liberalismus sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft zu überwinden. Vertreter dieser Bewegung propagieren selbstbewusst alternative politische Ideen und Ordnungsvorstellungen, die häufig auf präliberalen, teilweise konservativen und klerikalen Konzepten basieren. Ein bemerkenswertes Beispiel für die praktische Umsetzung postliberaler Ideen ist das „Project 2025“, ein von der US-amerikanischen Heritage Foundation entwickelter Plan zur Umgestaltung der Exekutive der US-Bundesregierung. Dieser Plan soll im Falle eines Wahlsiegs der Republikanischen Partei bei den Präsidentschaftswahlen im November 2024 umgesetzt werden und zielt darauf ab, die Strukturen und Funktionsweisen der Regierung grundlegend zu verändern. In diesem Seminar wollen wir uns der Krise des Liberalismus sowie den Postliberalen Demokratiekonzepten widmen. Dabei gilt es zunächst einmal zu klären, was die liberale Demokratie eigentlich ist und was wir meinen, wenn wir von ihrer Krise sprechen. Daraufhin untersuchen wir die Schlüsseltexte des Postliberalismus und seine Vertreter, um dann die konkrete politische Praxis zu untersuchen, in der die theoretischen Vorstellungen des Postliberalismus ihre Wirksamkeit entfalten.
WS 2023 Gesellschaft in Angst
n.a.
WS 2023 Lost in Rawlsland? – Zur Theorie, Wirkung und Kritik des
politischen Liberalismus nach John Rawls
Ohne Zweifel zählt John Rawls zu den herausragenden politischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. In der politischen Theorie setzt sein Werk nach wie vor den Standard, selbst für Kritiker*innen. Kaum eine gegenwärtige Streitfrage in der politischen Theorie existiert, ohne dass er dazu Stellung bezogen hat. Themen wie politische und soziale Gerechtigkeit, Grenzen individueller Freiheit, Toleranz und Multikulturalismus, öffentliche Deliberation oder auch die Frage einer gerechten Wirtschaftsordnung hat er mit seinem Vokabular geprägt und die Debatten nachhaltig beeinflusst. Aufgrund dieser Strahlkraft sprach Charles Mills von einem Zustand der politischen Philosophie, die sich in “Rawlsland” (2005) verloren habe: "Political philosophy needs to exit Rawlsland — a fantasy world in the same extraterrestrial league as Wonderland, Oz, and Middle-earth (if not as much fun) — and return to planet Earth.” Vor diesem Hintergrund bietet das Seminar eine Einführung in die wichtigsten Denkfiguren und Inhalte der politischen Theorie von John Rawls, seiner Wirkung und der vielfältigen Kritik, die an ihr geübt wurde. Der Kurs ist in zwei Abschnitte unterteilt. Zunächst werden wir John Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairness in ihren Grundzügen kennenlernen. Im zweiten Teil widmen wir uns den Kritiken an seiner Theorie aus libertärer, kommunitaristischer, feministischer und rassismuskritischer Sicht. Geplant ist kein eng begrenztes Lektüreseminar, sondern eher eine Einführung in die zeitgenössische politische Theorie mit dem Schwerpunkt auf Rawls; politischem Liberalismus. In diesem Rahmen werden sowohl Fragen zur Entwicklung normativer Theorien erörtert als auch die Bedeutung politischer Theorien für gegenwärtige gesellschaftliche und politische Herausforderungen betont.
SS 2023 Demokratie ohne Grund – kein Grund für Demokratie?
Derzeit wird die Leistungsfähigkeit der Demokratie angesichts multipler Krisen, wie dem Klimawandel oder globalen Pandemien vermehrt angezweifelt. So haben sich in den letzten Jahren nicht nur kritische Stimmen geäußert, die aktue Probleme der Demokratie überwinden wollen, sondern sie wird immer mehr als als solche in Frage gestellt. Dazu gehören in jüngerer Vergangenheit insbesondere Jason Brennans’ Plädoyer für eine Epistokratie (2016), in dem er fordert, dass nur die „Wissenden“ wählen können sollten; Daniel Bells’ Verteidigung des undemokratischen Regierungssystems Chinas wegen seiner Fähigkeit, tugendhafte und kompetente Führer auszuwählen (nicht zu wählen!) (2015); und Christopher Achens’ und Larry Bartels‘ Skepsis gegenüber der Fähigkeit von Wahlen, eine reaktionsfähige und effektive Regierung hervorzubringen (2016). Um die Ausgestaltung und Zukunft des Demokratie wird insbesondere in der politischen Theorie gestritten. Im Rahmen des Seminars sollen ausgewählte moderne Demokratietheorien (u.a. Liberalismus, Republikanismus, radikale Demokratietheorien) miteinander verglichen und hinsichtlich ihres normativen Gehaltes untersucht werden, um sie auf aktuelle demokratietheoretische Debatten und Kontroversen anwenden zu können. Das Seminar gliedert sich deshalb in drei Hauptteile. Im ersten Teil sollen gegenwärtige kritische Stimmen zur Leistungsfähigkeit der Demokratie zu sprechen kommen. Im zweiten sollen anhand eines ideengeschichtlichen Überblicks die zentralen zeitgenössischen Denkströmungen der modernen Demokratietheorien vermittelt werden. Daran anschließend wird sich im dritten Teil der aktuellen Diskussion um den Zustand moderner Demokratien gewidmet, um sie vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse untersuchen zu können.
WS 2022 Angst und Angstpolitik
Angst ist ein schillernder Begriff, der gegenwärtig als universell einsetzbare Erklärungsschablone für eine Reihe von politischen und sozialen Phänomenen eingesetzt wird. So spielt sie eine zentrale Rolle zur Erklärung der Wahlsiege rechtspopulistischer Parteien in Deutschland (Angst vor dem Fremden), zur Illustration von sozialem Abstieg und dem Drang nach Statuserhalt (Abstiegsangst), zur Einführung von fortschreitender staatlicher Überwachung (Kriminalitätsangst und Terrorismus) oder auch um begreiflich zu machen wieso junge Menschen auf die Straße gehen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren (Klimaangst). Dabei bleibt Angst oft eine implizite Größe, die wie selbstverständlich wirkt und keiner weiterer Begründung nötig macht. Das Blockseminar konzentriert sich darauf das Phänomen Angst und die verschiedenen Angstqualitäten explizit zu machen und nach den politischen und sozialen Dynamiken zu Fragen die Ängste entstehen lassen. Dabei soll auch danach gefragt werden, welche sozialen und politischen Strukturen und Institutionen potenziell dysfunktionale und sozial-pathologische Angstdynamiken hemmen und blockieren können.